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Hier bloggt das MIKI

Tag: Social Media

re:publica 2010

Das größte “Klassentreffen” der Blogosphäre, sozialen Medien und digitalen Gesellschaft fand letzte Woche (14. bis 16. April 2010) in Berlin statt. Rund 2500 Besucher fanden sich auf der re:publica 2010 ein. Den Spirit dieser Veranstaltung wollen wir gemeinsam mit euch in einem Miki weiter verbreiten. Wer sich an der Fortführung des re:publica-Mikis beteiligen will, kann das auf unterschiedliche Weise tun:

  • Zum einen seid ihr natürlich eingeladen, selbst Mikis zu erstellen. Ihr könnt Slides aus dem re:publica-Miki in euer eigenes Miki einbauen und mit weiteren Slides ergänzen, oder eigene Mikis erstellen, die wir in das re:publica-Miki einbinden können. (Wie man Miki-Seiten verlinken kann, könnt ihr in unserem Tutorial nachlesen.)
  • Wer Bilder gemacht hat und nicht selbst ein Miki erstellen will, kann auf unseren Flickr-Pool Fotos hochladen, die wir dann in das re:publica-Miki einfügen.
  • Und wer Artikel geschrieben hat, kann uns gerne den Link schicken, damit wir vom re:publica-Miki dorthin verlinken. Das könnt ihr entweder über die Kommentarfunktion hier im Blog oder über Twitter tun.

Es ist ein Gemeinschafts-Miki, euer Miki, also macht mit!

Übrigens: Dieses Miki könnt ihr auch auf euren eigenen Webseiten, Blogs usw. einbetten! Wie das geht, steht in unserem Tutorial.

Social Media ist in unseren Genen

Was ist eigentlich dran an Social Media, dass sich so viele Menschen damit beschäftigen, zumindest aber mal darüber reden oder schreiben? Ist es gerechtfertigt, dass wir einen solchen Hype darum machen. Ist das nicht alles nur eine Spielerei für technikverliebte Internetkids. Und der Begriff nur ein weiteres Buzzword? Ehrlich gesagt, weiss darauf wahrscheinlich niemand eine wirklich zufriedenstellende Antwort.

Dieser Tage fand ich ein beeindruckendes Video zu der Frage, ob Social Media eine Revolution oder einfach nur eine Modeerscheinung ist.

Ok, nun kann sich jeder selbst eine Meinung bilden, was Social Media für unsere Kommunikation kurz-, mittel- und langfristig bedeutet.

Übrigens, es gibt ja Leute, die meinen mit Dingen wie Facebook, Twitter oder MIKI würde man Zeit verplempern. Meistens sind es die gleichen Leute, die selbst stundenlang vor dem Fernseher sitzen. Ich halte das hingegen für eine kurzsichtige und wenig durchdachte Aussage. Das mag vielleicht noch für Menschen zutreffen, die gerade dabei sind diese Social Media Plattformen für sich zu entdecken und noch lernen, damit umzugehen. Ich glaube, eher das Gegenteil ist der Fall. Zumindest wenn ich meine eigene Nutzung von Social Media betrachte, dann komme ich vielmehr unzweifelhaft zu dem Schluss, dass ich Zeit spare. Nie zuvor war meine Kommunikation mit meiner Umwelt effizienter, lernte ich mehr neue und interessante Menschen kennen, wie jetzt, seit ich Social Media Tools nutze. Und nie zuvor fühlte ich mich besser informiert, über die Dinge, die mich wirklich interessieren, die für mich R-E-L-E-V-A-N-T sind. Wie es in dem Video oben schon heisst: Wir müssen die Nachrichten nicht mehr suchen, die Nachrichten finden uns.

Inhalt (neudeutsch: Content) entsteht, weil irgendjemand irgendetwas für berichtenswert hält. Und weil Menschen Dinge gerne weitergeben möchte. Wir wollen Dinge nicht für uns behalten (es sei denn es sind unsere kleinen, privaten Geheimnisse…). Menschen haben die natürliche, genetisch programmierte Veranlagung zu teilen (zu sharen, wie man heute dazu sagt). Und wir möchten damit auch wahrgenommen und wertgeschätzt werden. Das ist unser innerster Antrieb.

Aus diesem Grund halte ich Social Media für viel mehr, als “nur” eine Revolution. Eine Revolution ersetzt ja einen Zustand, den wir nicht mehr wollen, durch einen neuen Zustand. Es geht aber nicht darum, einfach nur “Zustände” zu verändern. Es geht aus meiner Sicht darum, ein natürliches Bedürfnis zu leben und damit auch wahrgenommen zu werden. Und hätte es diese Technologieen, die uns dies ermöglichen, schon früher gegeben, dann hätten wir sie längst genutzt: Humboldt und Goethe wären Blogger gewesen, Sokrates hätte getwittert… Social Media liegt uns in den Genen. Und deshalb wird es auch erfolgreich sein und die Grenzen alter Medienformen überwinden.

Leider erst heute entdecke ich eher zufällig unter der Überschrift “Miki = Wiki und Magazin” einen Blogbeitrag von Jörg Hoewner in dessen Agenturblog Moderne-Unternehmenskommunikation.de. Der Inhaber der Agentur K12 in Düsseldorf beschäftigt sich in dem Beitrag mit dem MIKI und seiner Anwendbarkeit vor allem auch aus Sicht der Nicht-Designer. Anlass war ein Artikel im aktuellen Value-Magazin mit dem Titel “Jeder sein eigener Gutenberg“.

Jörg Hoewner hat sich das MIKI angesehen und ausprobiert. So hat er festgestellt, was aus seiner Sicht gut und was verbesserungswürdig ist. Das ist immer wertvoller Input, für den ein Startup mehr als dankbar sein sollte. Denn allzu oft bleiben solche Feedbacks irgendwo “hängen”, bilden zwar Meinungen, aber helfen den Machern nicht wirklich weiter.

Herr Hoewner hat völlig Recht, wenn er noch eine Reihe von gut durchdesignten MIKIs vermisst. Wir stehen am Anfang und strengen uns an, gerade auch die professionellen oder ambitionierten Magazinmacher für das MIKI zu gewinnen. Aber Beispiele, wohin die Reise geht, gibt es schon.

Er liegt auch völlig richtig, wenn er den experimentellen Charakter einiger Beispiele feststellt und sich einfache Designvorlagen wünscht, die es auch dem Nicht-Designer ermöglichen, effektvolle und gut gestaltete MIKIs zu erstellen. Die gibt es übrigens. Sie können als “Musterseiten” beim Anlegen einer jeden neuen Seite ausgewählt werden. Dort kann auf von Dritten bereitgestellte Templates ebenso zurückgegriffen wie auf eigen angelegte. Freilich muss und wird da noch mehr kommen an Designvorlagen für die unterschiedlichsten Ansprüche…

Wichtig erscheint mir aber, auch auf eines hinzuweisen: Mit dem MIKI entsteht nicht nur ein Onlinemagazin, kollaborativ und “schwarmintelligent”. Es entsteht eine ganze Welt voller Onlinemagazine. Und genau darin liegt eigentlich der Reiz und das Innovative. Mit wachsendem Input, sei es von professioneller, sei es von ambitionierter, privater Seite wächst der Pool an MIKI-Contents, die von anderen wiederum genutzt werden können, um daraus neue Zusammenstellungen, neue Onlinemagazine zu formen. Ergänzt mit eigenen Inhalten wird so ein neuer Inhalt mit individuellem Wert geschaffen: Jeder, der auf diese Weise Contents anderer zusammenstellt wird wiederum zum Redakteur und bietet seinen Lesern den Mehrwert der von ihm getroffenen Auswahl. Selektion nach Zielgruppe.  So funktioniert Social Bookmarking, so funktionieren Empfehlungslisten bei Amazon, last.fm oder anderswo.

Und damit sind wir beim zentralen Punkt in Jörg Hoewners Beitrag:

Die nächste Generation Online-Magazine sind gewiss mehr als ein Printmagazin ins Web gebracht plus Web2.0.

Es ist die mehr als berechtigte Frage nach dem Sinn und Nutzen der “Blättermagazine”. Dort ist das, was das MIKI ausmacht, eben gerade nicht möglich. Dort entsteht zwar bestenfalls optisch und technisch dynamischer, aber ansonsten unveränderlicher, damit statischer Inhalt: keine individuelle Selektion und Zusammenstellung, kein sharing mit der Community. Das ist einfach nur Publishing, aber eben kein Social Publishing: es entsteht eben kein kollektiver Mehrwert, oder das was Stowe Boyd in einem Beitrag kürzlich das “Web of Flow” genannt hat, als Weiterentwicklung des “Web of Pages”: Cluster von Content, zusammengestellt von mehreren zum Nutzen anderer. Es entsteht kein echter Dialog, der Nutzer bleibt passiver Konsument. Anders beim MIKI: Dort wird die Grenze aufgehoben. Der Konsument kann auf Wunsch Produzent werden: er stellt zusammen, er ergänzt, er “collaboriert”, er gibt weiter. Und statt einen angeblich homogenen Massenmarkt zu bedienen (den es längst nicht mehr gibt), ist das MIKI das Magazin der vielen Nischen.

Das MIKI ist der Versuch einer systematischen Weiterentwicklung heutiger Off- wie Online-Magazine jenseits der zumeist als herkömmlich bezeichneten Web2.0-Funktionen. Und damit hoffentlich für viele Menschen relevanter, nutzenstiftender und spannender als Blättermagazine oder PDF-Kataloge.